Aerias Stuhl von Tilla Goldberg für ClassiCon.
© ClassiCon, Elias Hassos

Wie das Wiener Geflecht die Welt eroberte

Natalie Glebe
Natalie Glebe
Alles kommt bekanntlich irgendwann wieder – die jüngeren Generationen freut’s, denn für sie ist es neu, und im Zweifel kennen sie es nur von Fotos ihrer Eltern. Die ältere Generation hingegen schüttelt vielleicht nur den Kopf und findet es altbacken oder »kann es einfach nicht mehr sehen«. Wir sind gespannt, was Sie sagen werden, denn schon seit einigen Monaten feiert ein Klassiker sein Comeback, der einige Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hat als viele vielleicht vermuten würden: Welcome back Wiener Geflecht!
So kennt man es, das Wiener Geflecht: Die Klassiker von 1859 und aus den späten 1920ern: 214 Stuhl und S 32 Freischwinger schmückend.
So kennt man es, das Wiener Geflecht: Die Klassiker von 1859 und aus den späten 1920ern: 214 Stuhl und S 32 Freischwinger schmückend.
So kennt man es, das Wiener Geflecht: Die Klassiker von 1859 und aus den späten 1920ern: 214 Stuhl und S 32 Freischwinger schmückend. © Thonet

Wiener Schaukelstuhl

Wiener Schaukelstuhl

Preis: 1.334,00 €
214 Stuhl mit Wiener Geflecht

214 Stuhl mit Wiener Geflecht

Preis: ab 780,00 €
S 32V Freischwinger Stuhl mit Wiener Geflecht
209 Armlehnstuhl mit Wiener Geflecht

209 Armlehnstuhl mit Wiener Geflecht

Preis: ab 1.006,00 €
Vorwiegend als Sitzfläche und Lehne in Gebrauch, findet man es nun auch an Schranktüren, Blumentöpfen, Leuchten, Wohnaccessoires und bei zahlreichen DIY-Projekten. Die Wiedereroberung unserer modernen Räume ist also nicht mehr aufzuhalten. Kein Wunder, ist es heute doch um ein Vielfaches günstiger (und vor allem maschinell) produzierbar und online sowie im Baumarkt als Meterware erhältlich. Zudem vermittelt das Wiener Geflecht mit seiner warmen Honigfarbe Behaglichkeit und Gemütlichkeit, einfach ein gutes Gefühl: Es ist altbekannt und gehört, überspitzt gesagt, quasi zur Familie.
Klassisch und doch absolut zeitgemäß aufgrund des hellen Buchenholzes: 209 Armlehnstuhl von Thonet.
Klassisch und doch absolut zeitgemäß aufgrund des hellen Buchenholzes: 209 Armlehnstuhl von Thonet. © Thonet
Die Geschichte des Wiener Geflechts ist schon viel älter als der Entwurf Michael Thonets, der Kaffeehausstuhl aus dem Jahre 1847, bezogen mit Wiener Stroh. Denn bereits im späten Barock (ca. 1600 – 1770) fand das stabile und leichte Rattangeflecht Verwendung als Bezug von Rahmengestellen bei Stühlen, Betten oder Kommoden.
Stuhl aus Rotbuchenholz, weiß gestrichen, grünverziert, Strohgeflecht gelb, mit grünen Fäden durchkreuzt, Stuhl datiert auf etwa 1780. Quelle: Map of Furnitures of Theresianism and Josephinism in Vienna, Scholl Verlag 1912. Rechts eine Nahaufnahme des Wiener Geflechts von Thonet.
Stuhl aus Rotbuchenholz, weiß gestrichen, grünverziert, Strohgeflecht gelb, mit grünen Fäden durchkreuzt, Stuhl datiert auf etwa 1780. Quelle: Map of Furnitures of Theresianism and Josephinism in Vienna, Scholl Verlag 1912. Rechts eine Nahaufnahme des Wiener Geflechts von Thonet.
Stuhl aus Rotbuchenholz, weiß gestrichen, grünverziert, Strohgeflecht gelb, mit grünen Fäden durchkreuzt, Stuhl datiert auf etwa 1780. Quelle: Map of Furnitures of Theresianism and Josephinism in Vienna, Scholl Verlag 1912. Rechts eine Nahaufnahme des Wiener Geflechts von Thonet.
Die Vorzüge des Wiener Geflechts gegenüber Textilien oder Holz als »Füllung« der Rahmengestelle liegen klar auf der Hand: Es ist leicht, durch die charakteristische Webform sehr stabil und bei regelmäßiger Pflege zudem auch langlebig. Ein unkompliziertes Wasser-Leinöl-Gemisch auftragen, das Geflecht damit einreiben, damit es elastisch bleibt, und es wird Ihnen lange Freude bereiten. Zudem kann man es guten Gewissens als nachhaltig bezeichnen, wird das Peddigrohr doch aus der schnell nachwachsenden Rattanpalme gewonnen. Das typische 8-seitige Lochmuster entsteht, wenn sechs Stränge längs, quer und diagonal verflochten werden. Damals wie heute wird es für seine hervorragenden, leicht federnden Sitzeigenschaften gelobt.
Funktioniert auch an Sideboards. Von innen beleuchtet bekommt das »Air Sideboard« von Design House Stockholm einen mystischen Charakter mit faszinierendem Schattenwurf. Rechts »Treasures Sideboard« von Umage. © Design House Stockholm / Umage
Funktioniert auch an Sideboards. Von innen beleuchtet bekommt das »Air Sideboard« von Design House Stockholm einen mystischen Charakter mit faszinierendem Schattenwurf. Rechts »Treasures Sideboard« von Umage. © Design House Stockholm / Umage
Funktioniert auch an Sideboards. Von innen beleuchtet bekommt das »Air Sideboard« von Design House Stockholm einen mystischen Charakter mit faszinierendem Schattenwurf. Rechts »Treasures Sideboard« von Umage. © Design House Stockholm / Umage

Air Sideboard

Air Sideboard

Preis: ab 1.785,00 €
Air Highboard

Air Highboard

Preis: ab 1.729,00 €
Treasures Sideboard mit 2 Türen

Treasures Sideboard mit 2 Türen

Preis: ab 899,00 €
Treasures Sideboard mit 3 Türen

Treasures Sideboard mit 3 Türen

Preis: ab 1.099,00 €
Trotz des überwältigenden Erfolges des Klassikers von Thonet, der bis 1930 bereits millionenfach verkauft wurde und als erstes Massenmöbel gilt, wurde es irgendwann still um das Wiener Geflecht. Lediglich Möbel, bei denen das in Handarbeit gefertigte »Stroh« Teil des Konzepts war und ist, gab es noch. Also Designstücke wie der 214 Stuhl von Thonet oder Bauhaus-Klassiker wie der S 32. Erst im 21. Jahrhundert um die 10er Jahre wurde es wiederentdeckt und etablierte sich in unseren modernen Wohnräumen. Zu dieser Zeit durchforsteten viele Möbelhersteller ihre Archive, um von früheren Designikonen den Staub abzuklopfen, sie wiederzuentdecken und ihnen ein Update zu verpassen. Nicht nur im beliebten Bauhaus-Design, das aktuell auch vermehrt in junge Wohnbereiche einzieht, sondern auch im angesagten skandinavischen Design bekommt das zeitlos elegante Wiener Geflecht nun seine verdiente Bühne.
Neuinterpretation des Klassikers: »Aërias Stuhl« (2018) von Tilla Goldberg für ClassiCon aus Leder.
Neuinterpretation des Klassikers: »Aërias Stuhl« (2018) von Tilla Goldberg für ClassiCon aus Leder.
Neuinterpretation des Klassikers: »Aërias Stuhl« (2018) von Tilla Goldberg für ClassiCon aus Leder. © ClassiCon, Elias Hassos

20

Hideout Sessel

Preis:

Regulärer Preis: 3.018,00 €

Special Price 2.414,50 €

Body Holzstuhl

Preis: 863,00 €
118 Stuhl mit Wiener Geflecht

118 Stuhl mit Wiener Geflecht

Preis: ab 428,00 €
Aërias Stuhl

Aërias Stuhl

Preis: ab 1.850,00 €
Zeitgemäßes Design trifft hier auf eines der ältesten Handwerke der Menschheit und schafft eine spannende Verbindung. Tilla Goldberg entwirft für ClassiCon den »Aërias Stuhl« und interpretiert den Klassiker Wiener Geflecht neu: Leder tritt hier an Stelle des Peddigrohrs. Durch die Veränderung des Maßstabes wird zudem der gewohnte Blick herausgefordert und dem Klassiker eine stärkere Präsenz verliehen. Genau wie beim Wiener Geflecht, entstehen auch bei der Lederflechtung gefederte Minimalflächen in größerem Maßstab, die die Bewegung des Körpers flexibel aufnehmen und das Sitzen so noch angenehmer machen.
Aerias Stuhl von Tilla Goldberg für ClassiCon.
Aerias Stuhl von Tilla Goldberg für ClassiCon.
© ClassiCon, links Ippolito Fleitz Group, rechts Elias Hassos
Wiener Geflecht ist scheinbar für die Ewigkeit gemacht. Die filigrane Durchlässigkeit, der bezaubernde Schattenwurf, das gute Sitzgefühl und die zeitlose Eleganz faszinieren heute genauso wie früher. In welcher Form auch immer es uns zukünftig begegnen wird, die Design-Welt erwartet es gespannt.
Hier finden Sie viele weitere Produkte mit oder aus Wiener Geflecht.

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