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Panton Chair Classic von Vitra im aufwendig lackierten Polyurethan-Hartschaum hergestellt - der glänzende Designklassiker verleiht einem Ambiente einen luxuriösen Anstrich!
Panton Chair Classic von Vitra im aufwendig lackierten Polyurethan-Hartschaum hergestellt – der glänzende Designklassiker verleiht einem Ambiente einen luxuriösen Anstrich! ©vitra.com

Skål: Vitra Panton Chair

Maren Tünker
Maren Tünker
Was für Kurven. Keine einzige gerade Linie. In einem Schwung von der Rückenlehne über die Sitzfläche bis zur Basis. Ein Stuhlbein? Fehlanzeige! Das schreiende Pop-Art Design wirkt so mühelos in seinem Auftreten, auch wenn der Stuhl vom Entwurf bis zur Serienreife sowohl Verner Panton als auch dem Schweizer Hersteller Vitra einige Mühen gekostet hat: Über zehn Jahre, von 1956 bis 1967, dauert seine Entwicklung, die auch eine Geschichte des Kunststoffs weit über seiner effektvollen Geburt in den späten 1960er Jahren ist:
Die »Classic« Version vollführt in glänzender Pose extra aufreizend die Kurven und Schwünge des Freischwingers.
Die »Classic« Version vollführt in glänzender Pose extra aufreizend die Kurven und Schwünge des Freischwingers. ©vitra.com
»Es gibt Vierbeiner, Dreibeiner, Einbeiner. Verner Panton entwarf einen Keinbeiner. Warum? Weil er aus Kunststoff gemacht wird. Eigenschaften und Fähigkeiten des Werkstoffs sind überzeugend ausgenutzt. Das aus der Form kommende Produkt ist der fertige Stuhl. Bitte nehmen Sie Platz.« Der Vitra Werbespruch aus den späten 1960er Jahren beschreibt zwar nüchtern das einmalige Kunststoffstuhl-Design »Panton Chair«, zeigt aber mit wenigen Worten das weltbewegende Neue – einen Freischwinger in einem Guss aus Kunststoff gezogen.
Moderner Kurvenstar im strapazierfähigen, jedoch matt gekörnten Polypropylen – ein robuster Geselle für drinnen und draußen!
Moderner Kurvenstar im strapazierfähigen, jedoch matt gekörnten Polypropylen – ein robuster Geselle für drinnen und draußen! ©vitra.com
Um 1956 reift in Verner Panton die Idee, einen Freischwinger aus dem innovativen Material Kunststoff zu entwerfen. Angeregt durch seine Erfahrung im dänischen Design und Möbel­bau, Sperrholz durch Dampf in Kurven zu biegen, versucht er dem Freischwinger-Konzept aus den Bauhaus Zeiten der 1920er bis 1930er Jahren auch in der Kostenfrage nahe zu kommen. Gegenüber dem AD Magazin klagt seine Ehefrau lächelnd: »Der Panton-Stuhl ist einer der wichtigsten Entwürfe meines Mannes und wohl auch einer der Erfolg­reichsten. Für mich ist es eine Skulptur, die förmlich aus dem Boden wächst. Er hat mich mein ganzes Leben mit Verner begleitet. Er ist fast wie ein Kind für mich.«
Zwei Design Prototypen aus den frühen 1960er Jahren; Foto: Vitra
Zwei Design Prototypen aus den frühen 1960er Jahren; Foto: Vitra
Links: Mit diesem etwas gedrungener geformten Prototypen tingelt Verner Panton seit 1960 erfolglos zu mehreren Herstellern, bis Rolf Fehlbaum von Vitra 1963 Feuer fängt. Rechts: Eins der zehn Prototypen, die von Hand laminiert in der Vitra Werkstatt zwischen 1963 bis 1967 entstehen. ©vitra.com
1963 besuchen der Vitra Begründer Willi Fehlbaum und sein Sohn Rolf den dänischen Architekt und entdecken einen Entwurf eines tief gezogenen Kunststoffstuhl‌s . Fasziniert von dem eigenwilligen Konzept fragt Rolf Fehlbaum, warum dieser Stuhl nicht hergestellt wird, worauf Verner Panton antwortet: »15 bis 20 Fabrikanten versuchten es, aber haben aus verschiedenen Gründen die Produktion abgelehnt. Ein sehr bekannter amerikanischer Designer – nicht Eames – sagte, »man darf so etwas nicht »Stuhl« nennen – das ist zum Sitzen ungeeignet.« Es ist der Leidenschaft von Rolf Fehlbaum zu verdanken, dass Vitra die Entwicklung des gewagten Entwurfs startet:
Links: Rolf Fehlbaum (mit Brille) und Verner Panton (mit Bart) zusammen mit Ingenieuren und Technikern der Vitra Werkstatt 1963.  Rechts: Der Kurvenstar im Belastungstest im Gehry Testcenter.
Links: Rolf Fehlbaum (mit Brille) und Verner Panton (mit Bart) zusammen mit Ingenieuren und Technikern der Vitra Werkstatt 1963.  Rechts: Der Kurvenstar im Belastungstest im Gehry Testcenter.
Links: Rolf Fehlbaum (mit Brille) und Verner Panton (mit Bart) zusammen mit Ingenieuren und Technikern der Vitra Werkstatt 1963. Rechts: Der Kurvenstar im Belastungstest im Gehry Testcenter. ©vitra.com
Es dauert noch ein paar Jahre bis es schließlich Verner Panton und Vitra gelingt, diesen kühnen Design-Entwurf zur Serienproduktion zu verwirklichen: Kaum überwindbar erscheinen die Zwietracht zwischen den Möglichkeiten der Kunststofftechnik und den produktions­technischen Erfordernissen. Zehn Prototypen aus von Hand laminierten, glasfaserverstärkten Polyester entpuppen das jetzige Design: 1967 ging der geschwungene Kunststoffstuhl in Produktion. Der erste Kragstuhl bzw. Freischwinger vollkommen aus Kunststoff! Die ersten 150 Stück kommen in einem aufwendigen und teuren Verfahren aus kaltgepresstem, Glasfaser-verstärktem Polyester – genauso wie der berühmten Eames Chair gefertigt. Der 1968 in Serienproduktion gegangene Panton Chair wird jedoch in einem günstigeren Verfahren gegossen und spiegelt somit die geradezu rasante Entwicklung der Kunststoffindustrie wider:
Die Polypropylen Version ist im Gegensatz zur »Classic« Version schlanker im Material – und vor allem wetterfest! Perfekt für Balkon, Terrasse und Garten!
Die Polypropylen Version ist im Gegensatz zur »Classic« Version schlanker im Material – und vor allem wetterfest! Perfekt für Balkon, Terrasse und Garten! ©vitra.com
Nach einem Jahr ersetzten die Bayer-Werke ihren Luran-S Spritzguss mit Polyurethan-Hartschaum (Baydur), einem leichten Material mit geschäumten Kern und glatter Oberfläche, das in verschiedenen Farben aufwendig glänzend lackiert wurde. Ab 1971 setzt Vitra auf das günstiger zu verarbeitende Polystyrol. Der Kunststoffstuhl erhielt einen kleinen Schönheitsfehler: Kleine Lamellen verstärken den Übergang zwischen Sitzfläche und Basis, um ein ungewolltes Auseinanderbrechen zu verhindern. Und trotzdem ermüdet mit der Zeit das Material Polysterol und bricht schließlich – am liebsten an der seitlichen Wulst der Rückenlehne. Nichts als Ärger und Verdruss, so dass 1979 die Polysterol-Fertigung abgesetzt wird. Auf Initiative von Verner Panton nimmt Vitra erst wieder in den recht späten 1980er Jahren die Fertigung des zwar aufwendigeren, teureren, aber wenigstens zuverlässig funktionierenden Polyurethan-Hartschaum-Fertigungsverfahren wieder auf. Bis heute ist dieses teurere Verfahren als Liebhaber­modell »Panton Chair Classic« erhältlich.
Auch in der »Junior« Version als markanter und robuster Kinderstuhl im Kinderzimmer beliebt!
Auch in der »Junior« Version als markanter und robuster Kinderstuhl im Kinderzimmer beliebt! ©vitra.com
Zwar verliert der Kunststoffstuhl-Kurvenstar an Bedeutung im Laufe der 1970er und 1980er Jahre, andere Design-Entwürfe setzen sich durch. Bis eine gewisse Kate Moss 1995 für das Vogue Magazin auf dem Kurvenstar aller Stühle aufreizend posiert. Eine Pop-Art Ikone revisited! Begehrlichkeiten werden laut, der Verkauf der einstigen Pop-Art Ikone wird angekurbelt. Sowohl Vitra, als auch Verner Panton, überdenken das Herstellungs­konzept des wiederbelebten Kunststoffstuhl-Freischwingers. Ein neuer Kunststoff – günstig im Spritzguss-Verfahren in einem Stück produzierbar, ohne eine zusätzliche Lackierung gleich in verschiedenen Farben hergestellt, recycelbar und vor allem äußerst strapazierfähig und wetterfest, macht die Runde: Polypropylen. Endlich ein Material, das den hohen Anforderungen des Kunststoffstuhl-Freischwingers gerecht wird, denkt Verner Panton und modifiziert in seinem letzten Lebensjahr seinen Designklassiker, so wie er sich den Kunststoffstuhl schon vor 40 Jahren vorstellte: Leicht, ohne kleine Flügelchen oder Lamellen als Verstärkung, ohne verdickte Wülste – einfach glatt in den Kurven und trotzdem robust. Auch zum Kindertoben geeignet. 1999 geht der neue, durchgefärbte Polypropylen Kunststoffstuhl in dem innovativen Spritzguss-Verfahren bei Vitra in Produktion. Design-Kenner – oder soll man eher sagen stete Design-Nörgler – bemängeln das matte Aussehen des Kurvenstars. Andere testen die von Vitra angekündigte Strapazierfähigkeiten: Ob Sie sich auch trauen, auf Ihrem bäuchlings liegenden Freischwinger zu hüpfen?
Video von FindmetheOriginal.com in Zusammenarbeit mit CouchPotatoCompany.com zu der Belastbarkeit des originalen Verner Panton Chair von Vitra in glänzender »Classic«- und matter Polypropylen-Version
Aber bitte testen Sie nur die matte Polypropylen-Variante! Nicht unbedingt den »traditionell« hergestellten »Classic« Kunststoffstuhl, der recht robust ausfällt und gewöhnliches, auch unruhiges Sitzen aushält. Aber wer will schon mit so einer Luxus­variante derart rüde spielen? Seinen wundervollen Glanz so brutal versuchen zu ruinieren?

Ob luxuriöses, glänzendes »Classic« Modell oder als matter, wetterfester Stuhl bzw. Kinderstuhl aus unverwüstlichem Polypropylen – dieses aufregende Pop-Art Design von Verner Panton für Vitra erschaffen, erhalten Sie bei uns in mehreren Farben im ikarus…design shop. Und für kleine Freuden erhalten Sie bei uns auch die Miniatur des Klassikers in glänzendem classic Rot.

Panton Chair Stuhl

Panton Chair Stuhl

Preis: ab 259,00 €
Panton Junior Kinderstuhl

Panton Junior Kinderstuhl

Preis: ab 171,00 €
Panton Chair Classic Stuhl

Panton Chair Classic Stuhl

Preis: ab 1.210,00 €
 
Wie der matte, absolut strapazierfähige Panton Chair vollkommen aus Polypropylen beim Schweizer Hersteller Vitra produziert wird, zeigt Ihnen das charmante Video des Victoria & Albert Museums, London

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