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Steht für die spielerische Seite im Philippe Starck Design Kosmos – der niedliche Gnomes Napoleon Beistelltisch von Kartell, ©www.kartell.com
Steht für die spielerische Seite im Philippe Starck Design Kosmos – der niedliche Gnomes Napoleon Beistelltisch von Kartell, ©www.kartell.com

Philippe Starck: 70 Jahre und kein bisschen weise?

Maren Tünker
Maren Tünker
Nein, ein »Designer« ist er nicht: Vielmehr sieht sich Philippe Starck als ein Entdecker, der der Gemeinschaft hilft, ein besseres Leben zu führen. Und trotzdem verfällt jeder Schreiberling gleich dem »Stardesigner«: Es sind eben die unbeschreiblich vielen Designklassiker, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn sein Name fällt. Ist es der dreibeinige »Costes« Stuhl für Driade in den 1980ern? Die ersten wetterfesten Kunststoff­stühle für Driade in den 1990ern vom »Lord Yo« bis zum »Toy«? Der immer wieder faszinierende »Louis« mit seiner »Victoria« der »Ghost« Möbel-Serie von Kartell aus den 2000ern? Oder werden es gar die neuen Kartell-Stühle »Venice« oder »Generic« sein?
Philippe Starck 2014 fotografiert von James Bort, ©www.starck.com
Philippe Starck 2014 fotografiert von James Bort, ©www.starck.com
»Design ist eine einzige Niederlage.«
Sagt Philippe Starck im April 2018 in einem Interview mit dem Zeitmagazin: »Design ist der Versuch, etwas schöner zu machen, das wir eigentlich gar nicht mögen – und damit ein Kampf, der schon verloren ist, bevor er überhaupt begonnen hat.« In seiner langen Karriere entwickelt der Weltenbummler zahlreiche Design-Entwürfe, baut fantastische, noch nie vorher gesehene Architektur, experimentiert mit neuen Materialien und Verarbeitungstechniken, saugt die Veränderungen um sich herum auf, testet die volle Bandbreite zwischen funktionalem Minimalismus und überbordendem Maximalismus bis hin zum »Wieder-Kind-Werden« wie Alice im Wunderland vor allem in seinen zahlreichen Innenausstattungen von Hotels und Shops. Und doch nagt an ihm immer wieder der Selbstzweifel: »Sobald ich ein Projekt beendet habe, sage ich mir, dass es nicht gelungen ist, dass ich betrogen habe, dass ich faul und bestechlich gewesen bin. Und ich sage mir, dass ich es beim nächsten Mal besser machen werde.«
Sein erster großer Wurf für das Pariser Cafe Costes 1982, die dreibeinigen »Costes« Stühle mit gebogener Holzschale von Driade, ©www.starck.com
Sein erster großer Wurf für das Pariser Cafe Costes 1982, die dreibeinigen »Costes« Stühle mit gebogener Holzschale von Driade, ©www.starck.com
»Der Stuhl wird verschwinden«
Und Philippe Starck liebt es, frisch und frei immer wieder neue Denkanstöße zu geben – wie seine Behauptung gegenüber dem Zeitmagazin, dass seiner »Meinung nach das Sitzen in 15 oder 20 Jahren abgeschafft sein wird. Aus medizinischer Sicht ist es ohnehin eine sehr schlechte Position. Wir werden wohl entweder stehen oder uns hinlegen. Sicher ist, dass die sitzende Position verschwinden wird. Der Tisch wird verschwinden, der Stuhl wird verschwinden, das alles steht außer Frage.(…) Kein anderes Tier braucht ein Accessoire, um sich auszuruhen. Warum wir?« Ein Bluff? Ein guter Werbecoup für seine neusten Entwürfe? Oder nur eine launische Antwort auf eine zu verquere Frage? Man weiß nie, woran man an diesem Franzosen ist – zu sehr sitzt ihm der Schalk im Nacken!

Louis Ghost Sessel

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Costes Armlehnstuhl

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Der neue Venice Stuhl auf Kartell Wanderschaft durch die Straßen von Venedig – hier im Caffe Florian, ©www.kartell.com
Der neue Venice Stuhl auf Kartell Wanderschaft durch die Straßen von Venedig – hier im Caffe Florian, ©www.kartell.com
»Das durchsichtige Möbelstück ist der letzte sichtbare Schritt vor der Entmaterialisierung.«
Aber seine Vision der kommenden Entmaterialisierung erklärte Philippe Starck schon Ende des letzten Jahrtausend, als er eifrig für die italienische Möbel-Marke Kartell mit glasklarem Kunststoff experimentierte. Mit der Modernisierung des Klassikers, den Medaillonstuhl, als »Victoria« bzw. »Louis Ghost« als nicht sichtbaren Kunststoffstuhl nimmt er allen Kritikern die Grundlage: Denn sein Coup eine bewährte Sitz­gewohnheit zu behalten und nur das Material zu verändern, macht den transparenten »Louis Ghost« Stuhl zum weltweiten Erfolg, der Scharen neuer Design‌s aller Couleur nach sich zieht.
Von Philippe Starck und Kartell individualisierte, klare »Louis Ghost« Stühle im KONG Restaurant in Paris, ©www.starck.com
Von Philippe Starck und Kartell individualisierte, klare »Louis Ghost« Stühle im KONG Restaurant in Paris, ©www.starck.com
»So möchte ich auch wohnen«
Vielleicht ist der Erfolg zahlreicher barockisierter Entwürfe auch mit der tiefen Sehnsucht der Menschen verbunden, wie ein König zu residieren. Philippe Starck im Zeitmagazin: »Um Macht zu besitzen, setzt sich der König auf einen Thron. Seine Untertanen knien. 90 Prozent unserer heutigen Architektur und Möbel sind von der Religion, von der Vorstellung eines Gottes oder eines Königs, verseucht. Die Häuser sind heute wie kleine Paläste gebaut. Es gibt einen schönen Eingang, einen großen Flur, und alle Leute träumen von hohen Decken. Warum? Hohe Decken bringen einem nichts. Sie sorgen nur für einen höheren Energieverbrauch. Die Leute laufen durch das Schloss von Versailles mit seinen hohen Decken und sagen hinterher: »So möchte ich auch wohnen!« Denken Sie sich die Pferde weg, und das moderne Auto sieht genauso aus wie eine Kutsche. Seit König Ludwig XIV. hat es in der Automobilbranche keine echten Neuheiten gegeben, nur technische Verbesserungen.«

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Philippe Starck stellt die neue »Bon Jour« Tischleuchte in innovativer LED Lichttechnik von Flos vor, ©www.flos.com
Philippe Starck stellt die neue »Bon Jour« Tischleuchte in innovativer LED Lichttechnik von Flos vor, ©www.flos.com
»Das Zeitalter des Designs wird in etwa 20 Jahren enden«
Auch wenn wir nicht seinem im Zeitmagazin getätigten Spruch: »Danach wird es keine Materie mehr geben, weil alles entmaterialisiert sein wird.« ernsthaft folgen können, geben wir Philippe Starck recht, dass so manches Design sich bis fast in die Unsichtbarkeit verkleinert: »Schauen Sie sich das Smartphone an, davon ist ja fast nichts mehr übrig! Wenn die Entmaterialisierung vollendet ist, werden wir keine materiellen Verpflichtungen mehr um uns herum haben. In diesem Moment werden wir die Freiheit besitzen, uns einzig mit schönen Dingen zu umgeben. Die Funktionalität wird zum Vorteil der Sentimentalität verschwinden. Damit kehren wir zurück zu meiner Vision einer Welt, in der keine Materie existiert, nur Gefühl. In einer solchen Welt können Sie in einem leeren Haus wohnen, das Sie nur mit Dingen bestücken, die Ihnen gefallen: einer geliebten Person, einem Regenbogen, der durch das Fenster auf den Boden fällt. Sie werden von diesem Regenbogen entzückt sein, weil es drum herum nichts geben wird, was Sie ablenken könnte. «
Ruhepause oder schon im nächsten Traum? Philippe Starck auf der immer anstrengenden Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand zur Vorstellung des »Generic« Stuhls von Kartell, ©www.kartell.com
Ruhepause oder schon im nächsten Traum? Philippe Starck auf der immer anstrengenden Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand zur Vorstellung des »Generic« Stuhls von Kartell, ©www.kartell.com

Quellen:
Zeitmagazin Interview 2018
FAZ Interview 2009
STARCK®
Kartell Möbel
Philippe Starck für FLOS Leuchten
Philippe Starck für DRIADE Möbel

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