Das Schaudepot des Vitra Design Museums präsentiert die eindrucksvolle Stuhl-Sammlung.
© Vitra Design Museum, Mark Niedermann

Die Magie der Stühle – 1860 bis heute

Natalie Glebe
Natalie Glebe
»Stühle sind wichtige Zeitzeugen. Dies gilt unabhängig davon, ob sie eine auf den Moment bezogene Aktualität aufweisen, also eine Mode ausdrücken, oder für eine epochale Idee stehen. Sie sind Porträts ihrer Nutzer und sie spiegeln die Produktionsweise, die sie hervorbringt. Man kann also eine Zeit – ihre soziale Ordnung, ihre Materialien, Techniken und ihren Geschmack – an ihren Stühlen ablesen und verstehen. Ich möchte behaupten, kein anderes Alltagsobjekt ist so vielschichtig.« Rolf Fehlbaum, Chairman em. Vitra
Vielleicht haben Sie die wunderbare Dokumentation »Chair Times« von Vitra gesehen? Rolf Fehlbaum führt anhand der umfassenden Sammlung des Vitra Design Museums gemeinsam mit den Designer:innen Hella Jongerius, Antonio Citterio und Ronan Bouroullec, dem Architekt David Chipperfield, dem Direktor des Vitra Design Museums Mateo Kries, der Kuratorin des Vitra Design Museums Amelie Klein und vielen mehr durch das »Meer der Stühle« von 1800 bis heute. Wieso sieht ein Stuhl aus wie er aussieht? Wann gab es den ersten DIY-Stuhl? Welchen Hintergrund hat das »Ende der Gemütlichkeit«? Wie lange hat die Entwicklung des Panton Chairs gedauert? Diese Fragen und noch mehr beantworten wir hier. Oder Sie schauen den Film für den größtmöglichen Überblick – den Link finden Sie weiter unten.
Das Schaudepot des Vitra Design Museums präsentiert die eindrucksvolle Stuhl-Sammlung.
© Vitra Design Museum, Mark Niedermann

Der Kaffeehausstuhl & klassische Holzstuhl

Wenn man das Objekt Stuhl betrachtet, kommt man nicht an Bugholz, Michael Thonet und Wiener GTV Design vorbei. Nach fast zwanzigjähriger Forschung kreiert Michael Thonet 1860 den einfachen Kaffeehausstuhl, der zum meistverkauften Design des Unternehmens wird. Als weltweites Referenzobjekt des Möbelbaus, gilt er außerdem als erstes Beispiel des Industriedesigns. Im Jahre 1900 waren weltweit bereits 20 Millionen Kaffeehausstühle verkauft – und die Nachfrage riss nicht ab.
Stuhl N. 14 von Michael Thonet, entworfen im Jahr 1860.
Stuhl N. 14 von Michael Thonet, entworfen im Jahr 1860.
© Thonet / Burko Jaeger Fotografie, © Thonet

Wiener Stuhl

Preis: 618,00 €
218 M Stuhl mit Muldensitz

218 M Stuhl mit Muldensitz

Preis: ab 743,00 €
214 Stuhl mit Wiener Geflecht

214 Stuhl mit Wiener Geflecht

Preis: ab 780,00 €
Cafés und Restaurants boomten während des Wandels im Bürgertum und seit der Kaffeehauskultur Mitte des 19. Jahrhunderts: Es wurde Schicht übergreifend ausgegangen, denn Genuss und Kultur waren nicht mehr nur den Wohlhabenden vorbehalten. Man hatte plötzlich eine Freizeit. Kein Wunder also, dass, simpel formuliert, die Nachfrage nach günstigen, aber ästhetischen, bequemen und leicht zu transportierenden (der N. 14 Stuhl besteht aus lediglich sechs Teilen) Möbeln stetig stieg.
Eine geniale Vertriebsidee: In eine Kiste mit einem Maß von einem Kubikmeter wurden 36 zerlegte Stühle verpackt, in die ganze Welt geschickt und erst vor Ort montiert. © Thonet
Eine geniale Vertriebsidee: In eine Kiste mit einem Maß von einem Kubikmeter wurden 36 zerlegte Stühle verpackt, in die ganze Welt geschickt und erst vor Ort montiert. © Thonet
Eine geniale Vertriebsidee: In eine Kiste mit einem Maß von einem Kubikmeter wurden 36 zerlegte Stühle verpackt, in die ganze Welt geschickt und erst vor Ort montiert. © Thonet
Der Prozess des Biegens: 214 Stuhl
Zudem hatten die ärmeren Bevölkerungsschichten bis dahin schlicht keinen Zugriff auf Stühle, sondern saßen auf einfachen Hockern und Bänken. Dieser Vorbehalt wandelte sich mit der Industrialisierung: Das Sitzen wurde bürgerlich und vor allem günstig. Auch die hohen Rückenlehnen, die Strenge implizierten und lediglich ein sehr gerades Sitzen zuließen, wurden abgelöst. Der Wandel vom schweren, feststehenden Stuhl mit aristokratischer Rückenlehne zum leichten, flexiblen und günstigen Bugholzstuhl ebnete den Weg zum diplomatischen, gleichberechtigten Sitzen.
Die klassischen Holzstühle aus den 1930er neu aufgelegt von HAY: J110 und J104.
Die klassischen Holzstühle aus den 1930er neu aufgelegt von HAY: J110 und J104.
© HAY
Mit dem Bugholzstuhl ist diese Geschichte aber noch nicht beendet: 1933 entwirft ein Kollektiv junger Designer und Handwerker im Zuge des technischen und industriellen Fortschrittes ein innovatives Konzept zur Herstellung neuer Möbel, damit gutes Möbeldesign jedermann zugänglich wird. Ab 1942 entwickelt FDB furniture unter der Führung von Børge Mogensen zum Beispiel verschiedene Holzstühle, die alle auf dem gleichen Gestell fußen, um die Kosten der Produktion zu senken. Das Konzept der demokratischen Möbel geht in der Nachkriegszeit auf, die Möbel entwickeln sich zu Designklassikern im Skandinavisches Design. Hier die Modelle J110 und J104, die heute unter der Ägide von HAY produziert werden.

J110 Armlehnstuhl

J110 Armlehnstuhl

Preis: ab 269,00 €
J104 Stuhl

J104 Stuhl

Preis: ab 199,00 €
J77 Stuhl

J77 Stuhl

Preis: ab 169,00 €
J46 Stuhl

J46 Stuhl

Preis: ab 199,00 €

Stahlrohr, Bauhaus, Freischwinger

Möbel aus Stahlrohr sind für uns heute eine Selbstverständlichkeit, Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch war dies eine Sensation. Die Möglichkeiten zur Verarbeitung von Stahl in so filigraner Weise revolutionierten den Möbelbau und schafften Hand in Hand mit der Bauhausschule eine neue Designphilosophie: Minimalismus, Geradlinigkeit und Funktionalität. Das kühle, nackte Metall macht die Konstruktion des Stuhls sichtbar und versinnbildlicht die Funktion und Stabilität eines Sitzmöbels. Ein Möbelstück zu verstehen, das sich nicht mehr unter Bezügen oder Polstern versteckt, wird wichtig.
S 533 L Freischwinger mit konvexem Profil von Ludwig Mies van der Rohe und S 43 Freischwinger mit eckigem Profil von Mart Stam.
S 533 L Freischwinger mit konvexem Profil von Ludwig Mies van der Rohe und S 43 Freischwinger mit eckigem Profil von Mart Stam.
S 533 L Freischwinger mit konvexem Profil von Ludwig Mies van der Rohe und S 43 Freischwinger mit eckigem Profil von Mart Stam. © Thonet
Erste Entwürfe von Marcel Breuer verdeutlichen noch seinen Ursprung im Holzmöbelbau: Das Metall wurde geschraubt, anstatt verlötet. Doch schon bald entstand der erste Freischwinger, der das Potenzial des Stahlrohrs vollkommen ausschöpfte und so deutlich machte, dass es viel weniger Streben braucht, um einen stabilen, funktionstüchtigen Stuhl zu bauen.

S 43 Freischwinger Stuhl

S 43 Freischwinger Stuhl

Preis: ab 315,00 €
S 32V Freischwinger Stuhl mit Wiener Geflecht
S 34 Freischwinger Armlehnstuhl

S 34 Freischwinger Armlehnstuhl

Preis: 1.375,00 €
S 533 L Freischwinger Stuhl

S 533 L Freischwinger Stuhl

Preis: 1.601,00 €
Im redaktionellen Beitrag zum Bauhaus- und Thonetjubiläum 2019 nimmt Sie meine Kollegin Maren Tünker mit in die 1920er und 30er Jahre. Und zeigt, dass Stahlrohrmöbel zwar schon einige Jahre auf dem Buckel haben, aber alles andere als angestaubt sind. Lesen Sie hier mehr darüber.

»Das Ende der Gemütlichkeit«

Wie schon immer in der Geschichte der Kunst und des Designs, gibt es auch im Produktdesign Strömungen, die sich von der Norm abwenden, kritisieren und in Frage stellen. Mit Entwicklung und Veröffentlichung des Rot-Blauen Stuhls von Gerrit Thomas Rietveld bekommt das Sitzen eine neue Bedeutung. Bequemlichkeit, wie bei dick gepolsterten Sesseln, ist hier nicht mehr das Ziel. Die Entwürfe sollen neu sein, anecken, einen offenen (Diskussions-)Raum schaffen und Kunst anstatt nur Gebrauchsgegenstand sein. Die Grenzen zwischen Gemälde, Skulptur und Architektur werden aufgelöst. Der Rot-Blaue Stuhl gilt als Musterbeispiel der avantgardistischen Kunstbewegung De Stijl: Denn die Puristischen und grafisch korrekten Formen lassen keinen Zweifel an der Ablehnung des aktuell herrschenden Prunks.
1918 entwickelt, bekam er 1923 sein markantes Farbschema, erhielt aber erst 35 Jahre später, im Jahr 1958, offiziell den Namen »Rot-Blauer Stuhl« (aktuell nicht im Sortiment).
1918 entwickelt, bekam er 1923 sein markantes Farbschema, erhielt aber erst 35 Jahre später, im Jahr 1958, offiziell den Namen »Rot-Blauer Stuhl« (aktuell nicht im Sortiment). © Red and Blue Chair by Gerrit T. Rietveld – Cassina I Maestri Collection

DIY – nicht erst seit YouTube Trend

Die meisten verbinden mit DIY (engl. do-it-yourself / selbst machen) vermutlich selbstgebaute Balkonloungeecken aus Europaletten oder das Aufwerten und Zweckentfremden von Wohnaccessoires. Interessant ist aber, dass der Gedanke, Möbel selbst (zusammen) bauen zu können, schon deutlich älter ist. Auch hier war Rietveld federführend und entwickelte schon 1934 mit dem Crate Chair den ersten do-it-yourself Stuhl der Geschichte – in einer Zeit, in der alle Materialien knapp waren. Er fertigte diesen aus den Kiefernkisten, die als Transportverpackung seiner Möbel dienten und war somit, was Recycling angeht, seiner Zeit ebenfalls weit voraus. Der Crate Chair oder auch Krat- und Kistenstuhl deckte in den 1930ern den Bedarf nach einfachen, erschwinglichen und komfortablen Möbelstücken, die flach verpackt zu ihren neuen Besitzern kamen.
Hier der Kratstuhl Junior in kräftigem Rot, der heute von Spectrum hergestellt wird.
Hier der Kratstuhl Junior in kräftigem Rot, den wir aktuell nicht im Sortiment führen, aber nicht unerwähnt lassen möchten. © Spectrum

Fortschritt und Entwicklung während und nach des Zweiten Weltkriegs

Oft sieht man Möbelstücken gar nicht an, wie viel Entwicklungszeit in ihnen steckt, oder? Oder welchen Herausforderungen sich Designer und Handwerker dafür stellen mussten. In den 1920ern war Deutschland führend in der Möbelentwicklung und richtungsweisenden Designsprache, was sich allerdings 1933 durch Druck der Nazis auf das Bauhaus und der erzwungenen Selbstauflösung drastisch änderte. »Freigeister« waren unerwünscht, später durften nur noch kriegsrelevante Güter produziert werden, Rohstoffe waren knapp und Luxusgüter quasi irrelevant. In dieser Zeit entwickelte auf der anderen Seite der Welt Charles Eames in den USA auf Druck des Militärs eine Beinschiene und perfektionierte so das Schichtholz und seine (Ver-)Formung, das Fundament, auf dem viele Klassiker, wie der Lounge Chair oder die Plywood Group fußen.
Eine Beinschiene aus Schichtholz, entworfen von Charles Eames. Aktuell ausgestellt im Vitra Design Museum
© Vitra
Auch in der Metallverarbeitung gab es einen Durchbruch: Hans Coray gelang es 1938 mit dem »Landi Stuhl« zum ersten Mal Alublech zu einer durchgängigen Sitzfläche zu verbiegen – inklusive Sitzkuhle und abgerundeter Sitzkante. Was heute gang und gäbe ist, war auf der Schweizer Landesausstellung (bald »Landi« genannt) 1939 ein Novum, wo das klare, reduzierte Design bewundert wurde. 1.500 Stück wurden damals in den öffentlichen Bereichen verteilt und luden die müden Besucher zum Sitzen ein. Die Stühle erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden als reizvoll, leicht und freundlich, schnörkellos, aber zugleich beschwingt beschrieben. »Die matt schimmernden Silberstühle trägt man wie ein Zeitungsblatt oder ein Buch an jene Stelle, zu der unsereinen die Sehnsucht treibt.« – beschreibt ein damaliger Zeitungskommentar.
Designklassiker durch und durch: Landi Stuhl von Hans Coray und Eames Plastic Side Chair von Ray & Charles Eames.
Designklassiker durch und durch: Landi Stuhl von Hans Coray und Eames Plastic Side Chair von Ray & Charles Eames.
© Vitra

Plywood Group DCW Stuhl

Plywood Group DCW Stuhl

Preis: 1.260,00 €
La Chaise Sessel als Liegestuhl

La Chaise Sessel als Liegestuhl

Preis: 7.600,00 €
Landi Stuhl

Landi Stuhl

Preis: 715,00 €
Ende der 1940er begannen Ray und Charles Eames mit Kunststoff zu experimentieren und stellten 1950 ihre Eames Fiberglass Chairs vor. Sie perfektionierten einen Entwurfsgedanken, der auch Hans Coray lange beschäftigte: Eine dreidimensional geformte Sitzfläche auf einem selbsttragenden Untergestell. Der Landi Stuhl darf somit als Vorläufer dieses besonderen, modularen Stuhltypus gesehen werden.

Eames Plastic Armchair Stuhl DAR mit Filzgleitern
Eames Plastic Side Chair Stuhl DSW mit Filzgleitern
Eames Plastic Side Chair Stuhl DSX mit Filzgleitern
Eames Fiberglass Side Chair Stuhl DSW Filzgleiter
Auch der »Hocker 60« von Alvar Aalto aus dem Jahr 1933 verdient es hier erwähnt zu werden. Denn Aalto experimentierte ebenfalls schon in den 1920er Jahren mit unter Dampf gebogenem Schichtholz und stellte daraus folgend die L-förmigen Beine seiner Möbelserie vor – heute normal, doch damals revolutionär. Auch Schichtholz als Fertigmaterial war neu und eröffnete nie dagewesene Möglichkeiten im Möbelbau.

Den Stühlen Namen geben. Oder: Klassiker erschaffen

Ab den 1950er Jahren war Schluss mit Nummern oder Buchstabenkombinationen! Die neuen Entwürfe bekamen einprägsame und scheinbar liebevoll ausgewählte Namen, die mehr sagen sollten, als die Materialität zu beschreiben. Die Designs sollten nicht nur aufgrund ihrer Funktion gekauft werden, sondern auch, weil sie offiziell ikonisch und ein Statement waren. George Nelsons »Coconut Chair« (1955) oder »Die Ameise« (1952) von Arne Jacobsen sind nur zwei von vielen Beispielen.
Coconut Chair von George Nelson für Vitra und Die Ameise Stuhl von Arne Jacobsen für Fritz Hansen
Coconut Chair von George Nelson für Vitra und Die Ameise Stuhl von Arne Jacobsen für Fritz Hansen
© Vitra / © Fritz Hansen

Die Ameise Stuhl

Die Ameise Stuhl

Preis: ab 382,00 €
Coconut Chair Leder mit Kunststoffgleitern

Marshmallow Sofa

Preis: 5.220,00 €
Auch wenn weiterhin in den technischen Fortschritt investiert wird und die automatisierte Produktion ein großes Ziel ist, wird das Handwerk wieder wertgeschätzt. Insbesondere in Skandinavien entstehen heutige Designikonen wie der »CH24« (1950) vom »Meister der Stühle« Hans J. Wegner für Carl Hansen, der nicht ohne seinen Zusatz »Wishbone Chair« auskommt, oder der »CH07« (1963), besser bekannt als »Shell Chair«. Die Herstellung, die zum großen Teil noch und wieder per Hand geschieht, steht im Fokus: Allein das Weben der Wishbone-Sitzfläche nimmt eine ganze Stunde Zeit in Anspruch.
Die skandinavischen Designklassiker CH24 Wishbone Chair und CH07 Shell Chair von Hans J. Wegner für Carl Hansen.
Die skandinavischen Designklassiker CH24 Wishbone Chair und CH07 Shell Chair von Hans J. Wegner für Carl Hansen.
© Carl Hansen

Serie 7 Stuhl Esche gefärbt

Serie 7 Stuhl Esche gefärbt

Preis: ab 397,00 €
CH24 Wishbone Stuhl

CH24 Wishbone Stuhl

Preis: ab 499,00 €
Swan Christianshaven Lounge Sessel

Swan Christianshaven Lounge Sessel

Preis: ab 3.180,00 €
CH07 Shell Chair Sessel

CH07 Shell Chair Sessel

Preis: ab 3.010,00 €

Kontra Mainstream: Space Age und Memphis Design

Spannend und wegweisend sind auch die Ideen und Entwürfe, die während des Space Age entstanden, also in den 1960er und 70er Jahren. Beflügelt durch die Raumfahrt und die erste Mondlandung kam das spielerische ins Design: Runde, organische Formen und experimentelle (Wohn-)Konzepte bestimmten das Bild. Was wir aus heutiger Sicht vielleicht als formale Spielereien bezeichnen, war zu dieser Zeit jedoch ein existenzielles Bedürfnis. Man wollte sich von den Vorgänger-Generationen wie den Eames, Hans Coray und auch Max Bill distanzieren und sich neu erfinden.
»Living Tower« (1969) von Verner Panton. © Vitra
»Living Tower« (1969) von Verner Panton. © Vitra
Am Anfang steht immer eine Fragestellung, die den Fortschritt eines Projektes vorantreibt. Im Falle des »Panton Chairs« war es die Frage danach, wie man in der Industriegesellschaft etwas entwerfen kann, das in einem Stück, aus einem Guss aus der Maschine kommt, ohne weiter montiert werden zu müssen. Sich seiner komplizierten Fragestellung sicherlich bewusst, baut Verner Panton den Prototypen des Panton Chairs und tingelt 1960 von Dänemark durch Deutschland und klopft an zahlreiche Türen. Doch niemand mochte oder konnte sich dem Projekt widmen. Erst in der Schweiz stößt er auf offene Ohren: Rolf Fehlbaum fängt Feuer und kontaktiert sofort den Vitra Techniker Manfred Diebold, der letztendlich maßgeblich an der Umsetzung beteiligt war. Erst Jahre später, 1967 konnte der Panton Chair nach unzähligen Entwürfen in einer kleinen Vorserie von knapp 150 Stück hergestellt werden. Er war damit weltweit der erste aus einem Stück geformte Vollkunststoffstuhl. Hier erfahren Sie mehr über die Geschichte des Panton Chairs.
Manfred Diebold, Rolf Fehlbaum, Verner Panton und Josef Stürmlinger (v.l.n.r.) in der Vitra Werkstatt 1963. Mit diesem gedrungen geformten Prototypen im Kofferraum tingelt Verner Panton seit 1960 erfolglos von Hersteller zu Hersteller, bis Rolf Fehlbaum von Vitra 1963 Feuer fängt. © Vitra Design Museum, Archiv
Manfred Diebold, Rolf Fehlbaum, Verner Panton und Josef Stürmlinger (v.l.n.r.) in der Vitra Werkstatt 1963. Mit diesem gedrungen geformten Prototypen im Kofferraum tingelt Verner Panton seit 1960 erfolglos von Hersteller zu Hersteller, bis Rolf Fehlbaum von Vitra 1963 Feuer fängt. © Vitra Design Museum, Archiv
Manfred Diebold, Rolf Fehlbaum, Verner Panton und Josef Stürmlinger (v.l.n.r.) in der Vitra Werkstatt 1963. Mit diesem gedrungen geformten Prototypen im Kofferraum tingelt Verner Panton seit 1960 erfolglos von Hersteller zu Hersteller, bis Rolf Fehlbaum von Vitra 1963 Feuer fängt. © Vitra Design Museum, Archiv

Panton Chair Stuhl

Panton Chair Stuhl

Preis: 275,00 €
Panton Chair Classic Stuhl

Panton Chair Classic Stuhl

Preis: ab 1.210,00 €
Swoon Sessel

Swoon Sessel

Preis: ab 2.900,00 €
Wiggle Stool Hocker

Wiggle Stool Hocker

Preis: 459,00 €
Ähnlich der Designströmung im Space Age verhält es sich auch mit der in den 1980er wirkenden Gruppierung um Ettore Sottsass und Michele de Lucchi. Verärgert über die strengen, engstirnigen Vorgaben der Auftraggeber, starten sie eine kleine Revolution und setzen ihre Ideen in spielerischer Art und Weise um, brechen mit dem herrschenden Funktionalismus. Dabei entstehen kraftvolle Entwürfe, die keinen Zweifel am Wiedererkennungswert lassen: das Memphis Design ist geboren.
2015 huldigt Kartell in einer Sonderausstellung dem Memphis Design der 1980er Jahre und insbesondere das Werk von Ettore Sottsass. © Kartell
2015 huldigt Kartell in einer Sonderausstellung dem Memphis Design der 1980er Jahre und insbesondere das Werk von Ettore Sottsass. © Kartell
2015 huldigt Kartell in einer Sonderausstellung dem Memphis Design der 1980er Jahre und insbesondere das Werk von Ettore Sottsass. © Kartell

Colonna Hocker

Colonna Hocker

Preis: ab 198,00 €
Pilastro Hocker

Pilastro Hocker

Preis: ab 276,00 €
Ghost Sessel

Ghost Sessel

Preis: ab 4.130,00 €
Magis Proust Sessel

Magis Proust Sessel

Preis: 1.428,00 €
2004 überzeugt Claudio Luti, der Geschäftsführer von Kartell, den im (Un-)Ruhestand verweilenden Ettore Sottsass, neue Entwürfe aufgrund der neuen Möglichkeiten der Kunststoffverarbeitung zu zeichnen. Doch erst über zehn Jahre später geht die Hommage ans Memphis Design in Form der »Pilastro« und »Colonna« Hocker und mehr in Serie.

Und heute? (Oder: was ist seit 1990 passiert?)

… unterscheiden wir uns eigentlich gar nicht so sehr von den Designern, Herstellern und Kunden von vor Jahrzehnten. Denn genau wie früher, möchten wir heute stetig Neues entwickeln, vorhandene Prozesse vereinfachen und optimieren, forschen und entdecken. Design weiterhin feiern. Wäre es anders, gäbe es wahrscheinlich keinen Stuhl, der von Künstlicher Intelligenz (mit-)entworfen wurde und das objektive Optimum in Sachen Material (recycelter Kunststoff) und Stabilität verkörpert: »A.I.« von Philippe Starck für Kartell. Rund zwei Jahre dauerte diese Pionierarbeit, die in Kooperation mit Autodesk entstand, einem US-amerikanischen Software-Unternehmen, das auf digitales Design u. a. im Maschinenbau spezialisiert ist. Hier erfahren Sie mehr über »A.I.« und künstliche Intelligenz.
»A.I.« (2019) von Philippe Starck für Kartell und »Chair_One« (2003) von Konstantin Grcic für Magis. Links © Kartell / rechts © Magis
»A.I.« (2019) von Philippe Starck für Kartell und »Chair_One« (2003) von Konstantin Grcic für Magis. Links © Kartell / rechts © Magis
»A.I.« (2019) von Philippe Starck für Kartell und »Chair_One« (2003) von Konstantin Grcic für Magis. Links © Kartell / rechts © Magis

Family Chair One Stuhl

Family Chair One Stuhl

Preis: ab 309,00 €
A.I. Chair Armlehnstuhl

A.I. Chair Armlehnstuhl

Preis: ab 201,00 €
Bell Chair Armlehnstuhl

Bell Chair Armlehnstuhl

Preis: ab 77,00 €
Auch steht Nachhaltigkeit (wieder) im Fokus, die nun (mehr oder weniger) freiwillig und ganz bewusst umgesetzt wird. Möbel und Wohnaccessoires sollen möglichst lange halten und genutzt, aber auch nach ihrer Lebenszeit vollständig recycelt werden können. Auch werden Prozesse entwickelt, die bereits vorhandenen Kunststoff, der als Abfall beispielsweise im Meer umherschwimmt, sammeln und zu neuen Lieblingsmöbeln verarbeiten können. So geschieht dies zum Beispiel bei der Ocean-Serie von Mater Design. In diesem expliziten Beispiel werden alte Fischernetze aus den Ozeanen gesammelt und zu Stühlen und Tischen recycelt. Das gibt nicht nur 960 g Plastikmüll pro Stuhl eine neue, sinnvolle Aufgabe, sondern spart auch 1,6 kg CO2 ein im Vergleich zu ähnlichen Möbelstücken. Und auch Magis launcht dieses Jahr den nachhaltigen, zu 100% aus recyceltem Kunststoff bestehenden »Bell Chair«. Gemeinsam mit einer italienischen Spezialfirma entwickelt Konstantin Grcic einen innovativen Prozess, um Kunststoffabfall einerseits aus dem Herstellungsprozess bei Magis sowie der umliegenden Autoindustrie kostengünstig und energiesparend für die Herstellung wiederzuverwenden. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im Möbeldesign.
Links der »Ocean Chair« (1955) von Nanna & Jørgen Ditzel, neu aufgelegt von Mater Design. Rechts Konstantin Grcic mit seiner Neuheit »Bell Chair« (2020) für Magis. © Mater Design / © Magis
Links der »Ocean Chair« (1955) von Nanna & Jørgen Ditzel, neu aufgelegt von Mater Design. Rechts Konstantin Grcic mit seiner Neuheit »Bell Chair« (2020) für Magis. © Mater Design / © Magis
Links der »Ocean Chair« (1955) von Nanna & Jørgen Ditzel, neu aufgelegt von Mater Design. Rechts Konstantin Grcic mit seiner Neuheit »Bell Chair« (2020) für Magis. © Mater Design / © Magis
Bei einigen zeitgenössischen Stuhlentwürfen erkennt man es auf den ersten Blick: Die Zitierung von Klassikern und klassischem Design oder Reeditionen alter Entwürfe liegen im Trend. Besonders ist dabei das sensible Vorgehen und die Würdigung des Entwurfs und der geschichtlichen Bedeutung. Lediglich das Material oder die Farben werden ins 21. Jahrhundert geholt. Auch hier ein Beispiel ist der »Ocean Chair« von 1955, dessen Sitzlamellen nun aus nachhaltigem Kunststoff bestehen. Oder auch »Louis Ghost« und »Victoria Ghost« von Philippe Starck für Kartell, der mit ihnen den Medaillonstuhl im Louis-quinze-Stil zitiert.
»118« (2018) von Sebastian Herkner für Thonet und »My Chair« (2013) von Nicholai Wiig Hansen für Normann Copenhagen.
»118« (2018) von Sebastian Herkner für Thonet und »My Chair« (2013) von Nicholai Wiig Hansen für Normann Copenhagen.
»118« (2018) von Sebastian Herkner für Thonet und »My Chair« (2013) von Nicholai Wiig Hansen für Normann Copenhagen. © Thonet / © Normann Copenhagen

Louis Ghost Sessel

Louis Ghost Sessel

Preis: ab 305,00 €
Victoria Ghost Stuhl

Victoria Ghost Stuhl

Preis: ab 242,00 €
118 Stuhl mit Wiener Geflecht

118 Stuhl mit Wiener Geflecht

Preis: ab 428,00 €
My Chair Wood Stuhl

My Chair Wood Stuhl

Preis: ab 300,00 €
Sebastian Herkner greift im Jahr 2018 mit seinem Stuhl 118 zwei Klassiker: den Kaffeehausstuhl und den Frankfurter Stuhl. Diese Hommage passt wunderbar in Wiener Altbauten, aber auch in kleine, gemütliche Wohnzimmer im Schwarzwald. Sensibel übernimmt er dabei die fließenden Formen und übersetzt sie ins 21. Jahrhundert. Der 118 ist klassisch mit Wiener Geflecht oder mit Muldensitz erhältlich. Eine weitere Hommage begegnet uns mit »My Chair« von Nicholai Wiig Hansen für Normann Copenhagen. Die formalen Elemente erinnern stark an die Plywood Group von Ray und Charles Eames. Aber auch neue faszinierende Formen und Entwürfe begegnen uns: sei es »Tokyo«, »Roly Poly« oder der »T-Chair« von mogg.
Es wird »knuffig« und »markant« im Möbeldesign. Beste Beispiele: »Roly Poly« (2014) von Faye Toogood für Driade und »Tokyo« (2018) von Josep Lluscà für Resol.
Es wird »knuffig« und »markant« im Möbeldesign. Beste Beispiele: »Roly Poly« (2014) von Faye Toogood für Driade und »Tokyo« (2018) von Josep Lluscà für Resol.
Es wird »knuffig« und »markant« im Möbeldesign. Beste Beispiele: »Roly Poly« (2014) von Faye Toogood für Driade und »Tokyo« (2018) von Josep Lluscà für Resol. © Driade / © Resol

Supernatural Stapelsessel

Supernatural Stapelsessel

Preis: ab 190,00 €
T-Chair Stuhl

T-Chair Stuhl

Preis: ab 729,00 €
22
Tokyo Stuhl

Tokyo Stuhl

Preis: ab

Regulärer Preis: 228,00 €

Special Price 178,00 €

Wie anfangs versprochen: hier finden Sie die wunderbare Dokumentation »Chair Times« von Vitra (90:05 Min).

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