koziol – vom Elfenbein zur nachhaltigen Lunchbox

Natalie Glebe
Natalie Glebe
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie Ihre Küchenutensilien entstehen, wo sie herkommen? Ob sie eine nachhaltige Lösung sind? Oder was die »geheimnisvollen« Strukturen auf der Unterseite bedeuten? Katrin Bode, zuständig für die Unternehmenskommunikation, klärt auf und führt uns durch Produktionshalle und Museum. Dabei lernen wir viel über Kunststoff und das Traditions-Unternehmen koziol und können einige Mysterien lösen.
Die Produkte von koziol sind alle Made in Germany mit nachvollziehbarer, zertifizierter und transparenter Liefer- und Herstellungskette. Die Organic Produkte zeichnen sich zudem durch ihre Maserung und die Pastellfarben aus und sind so schnell identifizierbar.
Die Produkte von koziol sind alle Made in Germany mit nachvollziehbarer, zertifizierter und transparenter Liefer- und Herstellungskette. Die Organic Produkte zeichnen sich zudem durch ihre Maserung und die Pastellfarben aus und sind so schnell identifizierbar.

Bis heute, zur innovativen Organic Kollektion mit nachhaltigem Kunststoff, ist eine Menge in der Historie von koziol passiert. Nachhaltiger Kunststoff… – geht das? Ja, das geht und Kunststoff wie dieser spart sogar noch eine Menge Energie und CO2 ein im Vergleich zu gleichwertigen Produkten aus Glas, Keramik oder Edelstahl. Denn die zur Herstellung benötigte Temperatur ist viel geringer. Das Organic Granulat benötigt maximal 180 Grad (die anderen thermoplastischen Granulate von koziol maximal 250 Grad) zur Verflüssigung und um es in die gewünschte Form zu bringen. Im Vergleich dazu brauchen Glas-, Metall- oder Keramikprodukte Temperaturen, die zwischen 800 und 1.500 Grad liegen. Bei der Verarbeitung wird so bis zu 90% weniger Energie verbraucht. Beispiel: Eine Keramiktasse benötigt für ihre Herstellung so viel Energie wie für 1800 Kunststoffbecher nötig ist. Zudem ist das Material vollständig und unendlich recycelbar, denn die chemische Reaktion ist widerrufbar (bspw. bei Keramik ist das leider nicht möglich). Eine Mischung aus thermoplastischem Kunststoff und natürlicher Holz-Zellulose macht dies möglich – selbstverständlich frei von Zusätzen wie Formaldehyd, Melamin oder Füllstoffen.

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Aber von Anfang an: Wie entstehen die wunderbaren Produkte von koziol überhaupt? Bei einem Rundgang durch die Produktionshalle, der sich an der Herstellungskette orientiert, erfahren wir, wie alles funktioniert und wo koziol überhaupt seinen Ursprung hat.

Das Spritzgießverfahren

Herr Müller hat gerade die Daten für die Maxx Tasse auf dem Bildschirm, die auch in Organic Pink auf seinem Schreibtisch steht.
Herr Müller hat gerade die Daten für die Maxx Tasse auf dem Bildschirm, die auch in Organic Pink auf seinem Schreibtisch steht.
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Die Stahlformen des zu gießenden Objekts stellt koziol selbst her – alles unter einem Dach in Erbach im Odenwald. Damit die Gießformen ein akkurates Ergebnis liefern können, werden diese mit einer Graphitelektrode erodiert und so durch Funkenerosion feingeschliffen. Die Stahlformen können allein durch das Fräsen nicht so genau und detailliert hergestellt werden und würden Grate auf dem fertigen Kunststoffprodukt hinterlassen. Die Elektroden werden nach den Plänen, die u.a. Herr Müller erstellt, ebenfalls selbst hergestellt. Im Foto sieht man die Graphitelektroden für die Stahlform der Lunchbox Pascal.
Das Granulat wird an dieser zentralen Stelle eingefüllt, angesaugt…
Das Granulat wird an dieser zentralen Stelle eingefüllt, angesaugt…
… und durch die Leitungen unter der Decke zu den jeweiligen Spritzgießmaschinen weitergeleitet.
… und durch die Leitungen unter der Decke zu den jeweiligen Spritzgießmaschinen weitergeleitet.
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Je nach Größe des zu gießenden Objektes – hier die Tasche – ist die Spritzgießmaschine bis zu 51 Tonnen schwer und 20 Meter lang (je größer das Endprodukt, desto größer die Maschine). Dabei wird hier ein Druck von 2100 bar erreicht. Der hohe Druck ist notwendig, damit das verflüssigte Kunststoffgranulat schnell, gleichmäßig und vor allem vollständig eingespritzt werden kann, bevor es anfängt abzukühlen. Passiert dies nicht rechtzeitig, entstehen ungewollte Wellen-Strukturen und das Produkt wird ungleichmäßig, unsauber und einfach nicht ästhetisch.
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Das Ergebnis: Die Pascal Lunchbox in Organic Pink wird gegossen und wartet anschließend auf Abholung. Hier lüftet sich auch das Geheimnis der »Zeichen« auf dem Boden der Kunststoffobjekte: Die Einbuchtung mit dem kleinen rauen »Nippel« ist die Verbindung zur Spritzgießmaschine, denn hier wird das verflüssigte Granulat eingespritzt. Und die zumindest zwei runden Abdrücke (oft innenliegend) zeigen, dass das Produkt von der Maschine aus der Form gestoßen wurde. Also alles ganz logisch, normal und kein Zeichen von minderer Qualität. Auf Wunsch können die Produkte anschließend noch per Tampondruck bedruckt werden: Individuelle Aufträge sind kein Problem.
Links: Der Abdruck der Düse der Spritzgießmaschine ist klar erkennbar. Rechts: Die feinen Kreise (hier im Lichtpunkt) zeigen, an welcher Stelle die Kunststoffobjekte aus der Maschine gestoßen werden.
Links: Der Abdruck der Düse der Spritzgießmaschine ist klar erkennbar. Rechts: Die feinen Kreise (hier im Lichtpunkt) zeigen, an welcher Stelle die Kunststoffobjekte aus der Maschine gestoßen werden.
Links: Der Abdruck der Düse der Spritzgießmaschine ist klar erkennbar. Rechts: Die feinen Kreise (hier im Lichtpunkt) zeigen, an welcher Stelle die Kunststoffobjekte aus der Maschine gestoßen werden.

Vom Elfenbein zur Lunchbox?

Alles fing mit dem Töpfermeister Bernhard Joseph Koziol an. Der ausgebildete Keramiker arbeitete unter anderem in den Kaiserlichen Majolika Werkstätten in Cadinen, die im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II. sehr hochwertige und begehrte Vasen und Tierplastiken produzierte und auch international vertrieb. 1912 zog Bernhard Koziol mit seiner Familie nach Erbach im Odenwald, um dort die gräfliche Kunsttöpferei zu übernehmen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat und kehrte anschließend geschwächt zurück. Später wurde ihm Lungentuberkulose diagnostiziert - er starb schließlich 1928 im Alter von 50 Jahren.
Bernhard Josef Koziol, Kunsttöpfer im Odenwald, etwa 1918. Vor ihm eine Keramik aus der Königlichen Majolika Werkstatt aus dem Jahr 1907 mit Reliefdekor »Romanischer Kaiseradler«.
Bernhard Josef Koziol, Kunsttöpfer im Odenwald, etwa 1918. Vor ihm eine Keramik aus der Königlichen Majolika Werkstatt aus dem Jahr 1907 mit Reliefdekor »Romanischer Kaiseradler«.
Bernhard Josef Koziols Sohn Bernhard mischte bereits früh mit im Kunsthandwerk: Immer auf der Suche nach neuen innovativen und lukrativen Wegen, gründete der 19-jährige Bernhard Koziol am 27. November 1927 seine eigene Ein-Mann-Elfenbeinschnitzerei, die das heutige Unternehmen koziol begründet. In seiner Schlafkammer schuf er Schmuck und Miniatur-Figuren aus dem begehrten Elfenbein.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 verlangte aber nach Kreativität und neuen Herstellungsmethoden. Elfenbein war teuer und rar und wurde so immer mehr durch handgeschnitzten Kunststoff ersetzt. Zur Verarbeitung kam unter anderem Galalith, ein Kunststoff, der seit dem 17. Jahrhundert aus Milch gewonnen wurde.
Filigrane Rosen handgeschnitzt aus Elfenbein.
Filigrane Rosen handgeschnitzt aus Elfenbein.
Die erste Spritzgießmaschine von koziol war eine technische Revolution und wurde dementsprechend argwöhnisch als »Deiwelsmaschine« (Teufelsmaschine) bezeichnet. Sie steigerte die Produktivität von koziol aber um ein Vielfaches und ebnete den Weg zur Massenproduktion. Broschen wurden im Akkord hergestellt, aber nach wie vor liebevoll per Hand coloriert.
Eine der ersten Gießformen für die erste Spritzgießmaschine: Kleine Anker für Broschen wurden hiermit gegossen.
Eine der ersten Gießformen für die erste Spritzgießmaschine: Kleine Anker für Broschen wurden hiermit gegossen.
Während des Zweiten Weltkrieges stellte koziol Schmuck her, der im Dunkeln leuchtete, und Abzeichen für das Winterhilfswerk. Ende 1940 wurde die Schmuckproduktion aber endgültig untersagt: Es durften nur noch kriegswichtige Güter hergestellt werden. Koziol produzierte von nun an Kämme, Knöpfe, Besteck und Augengläser für Gasmasken.
Knöpfe, Kämme, Broschen, Souvenirs.
Knöpfe, Kämme, Broschen, Souvenirs.
Nach Kriegsende war kein Kunststoffgranulat mehr zu bekommen, sodass koziol Bestände von unbenutzten Flugzeugkuppeln aus Plexiglas der Firma Röhm in Darmstadt aufkaufte. Daraus wurden Armreifen und Broschen gefertigt.
Armreifen aus Plexiglas: Not macht erfinderisch.
Armreifen aus Plexiglas: Not macht erfinderisch.
Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit weckte die Reiselust und Sehnsucht: Souvenirs in Form von Broschen, Wandtafeln (die betenden Hände), Wechselbilderrahmen, Wappen für Gehstöcke und Traumkugeln waren am Boomen. Individuelle Wünsche der Händler gingen oft per Postkarte ein, die das gewünschte Motiv zeigten.
Die Traumkugel entstand übrigens tatsächlich wie im Traum. Bernhard Koziol fuhr 1952 mit seinem VW Käfer durch den verschneiten Odenwald und blieb in einer Schneewehe stecken. Als er durch das Rückfenster schaute, entdeckte er zwei Rehe im Winterwald, während der Schnee sanft herab rieselte. Aus diesem traumhaft schönen Anblick entstand die erste Traumkugel der Welt.

Love Foto Traumkugel Schneekugel
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Traumkugel Paris

Traumkugel Paris

Preis:

Regulärer Preis: 19,90 €

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Das ist zwar nicht der Original-Käfer von Bernhard Koziol, er stammt aber aus der gleichen Zeit. Im koziol-Museum kann man ihn Probe »fahren«.
Das ist zwar nicht der Original-Käfer von Bernhard Koziol, er stammt aber aus der gleichen Zeit. Im koziol-Museum kann man ihn Probe »fahren«.
Von dort war der Weg zu Wohnaccessoires nicht weit: Vasen in Porzellanoptik, Wandschmuck aus Fake-Holz und Spruchtafeln waren in den Siebzigern stark gefragt und schmückten jede Kellerbar. Kunststoff war erschwinglicher und imitierte Metall, Porzellan und Holz. Er stand für Glück, Freiheit und unendliche Flexibilität.
Die betenden Hände bestehen augenscheinlich aus Holz und Metall, sind aber komplett aus Kunststoff hergestellt.
Die betenden Hände bestehen augenscheinlich aus Holz und Metall, sind aber komplett aus Kunststoff hergestellt.
Anfang der 80er Jahre übernahmen die Söhne Stephan und Bernhard Koziol junior (1998 verstorben) die Firma und leiteten Neues und Innovatives in die Wege. Koziol produzierte beispielsweise das weltweit erste CD-Regal, das die Form des Manhattan Towers hat. Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an die Kühlbox Big Banana oder die Herz-Kollektion, die absolute Verkaufsschlager waren? Die 80er und 90er waren ein einziges Kunststoffmekka.
The 80s and 90s are calling.
The 80s and 90s are calling.
The 80s and 90s are calling.
Koziol kann auf eine wirklich ereignisreiche und krisengeschüttelte Vergangenheit zurückblicken, die wahrscheinlich auch in Zukunft noch im Geiste für den Innovationsdrang verantwortlich sein wird. Mit Designpreisen ausgezeichnete Produkte und Entwürfe renommierter Designer gehen heute in über 50 Länder weltweit. Und die neuesten Innovationen verdeutlichen koziols Visionen deutlich: Hightech, Nachhaltigkeit und Produkte für jeden Tag.
Die Geschichte von koziol kann man in Erbach übrigens selbst (interaktiv) erleben und nachvollziehen: Das Museum ist samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Besuch lohnt sich und lässt sich auch wunderbar mit einem (Kurz-)Urlaub im wunderschönen Odenwald verbinden.

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