Artificial Intelligence im Möbeldesign – the Future is now

Natalie Glebe
Natalie Glebe
»Kartell, Autodesk und ich stellten der Künstlichen Intelligenz eine Frage: ›Weißt du, wie das Gewicht meines Körpers mit wenig Material, aber höchster Stabilität getragen werden kann?‹ – Und A.I., ohne Kultur, ohne Gedächtnis und Erinnerung, ohne Beeinflussung, antwortete mit simpler Intelligenz, ihrer künstlichen Intelligenz. ›A.I.‹ ist der erste Stuhl, der außerhalb unseres Gehirns, außerhalb unserer Denkgewohnheiten designt wurde. Und so eröffnet sich eine neue, unendliche Welt für uns.« (Philippe Starck)
»A.I.«, designt von künstlicher Intelligenz und Philippe Starck. © Kartell
»A.I.«, designt von künstlicher Intelligenz und Philippe Starck. © Kartell

Der erste Stuhl, der von künstlicher Intelligenz entworfen wurde, wurde im April in Mailand präsentiert und ist nun ganz neu im Handel: »A.I.« von Kartell. Entstanden anhand des Inputs von Designer Philippe Starck und des Knowhows des Unternehmens Kartell in Kooperation mit Autodesk.

Wir klären auf, wie es dazu kam und was das Besondere ist…

Was ist eigentlich künstliche Intelligenz (K.I., Englisch: Artificial Intelligence, A.I.)? 

Kurz gefasst ist künstliche Intelligenz, wenn ein Computersystem mit Daten und einem Algorithmus ein Problem löst, das normalerweise von einem Menschen gelöst wird. Klar ist, dass ein Computer viel »wissender« ist als ein Mensch, beziehungsweise auf alle Informationen im WWW zugreifen kann – aber in Sekundenbruchteilen und völlig wertfrei. Ein Mensch würde dafür gegebenenfalls Monate brauchen, wenn er das Problem überhaupt lösen kann. Das Interessante ist, dass K.I. lernen und sich so selbst weiterentwickeln kann, was auch bei der Entwicklung des Stuhls »A.I.« wichtig war.

Wie wurde K.I. in Bezug auf das Kartell-Projekt genutzt?

Um ein Designstück fertig, also verkaufsbereit auf den Markt zu bringen, kann es mitunter Monate oder Jahre dauern. Denn eine Menge Zeit geht für die Herstellung von Prototypen drauf, die von einem Ingenieur im Hinblick auf Stabilität, Sicherheit und Herstellbarkeit geprüft und abgenommen werden müssen. Künstliche Intelligenz nutzt einen multi-objektiven Algorithmus, um eventuell auftretende Probleme (Gewicht, Stabilität) auf einmal zu betrachten und zu lösen. So können Variablen bedacht werden, die ein menschliches Gehirn gar nicht auf einmal verarbeiten kann.

Philippe Starck, portraitiert von © Jean-Baptiste Mondino. »A.I.« in graumetallic © Kartell
Philippe Starck, portraitiert von © Jean-Baptiste Mondino. »A.I.« in graumetallic © Kartell
Philippe Starck, portraitiert von © Jean-Baptiste Mondino. »A.I.« in graumetallic © Kartell

Was sind die Vorteile bei diesem Prozess?

In erster Linie wird eine Menge Material und vor allem Zeit gespart, um zum bestmöglichen Design-Ergebnis zu kommen. Die K.I. liefert Vorschläge und strukturelle Lösungen, ohne unnötig Material zu nutzen und erlaubt dem Designer mehr mit weniger zu erreichen. Das spart Kosten, Müll und schützt am Ende die Umwelt. Zudem besteht der Stuhl aus 100% recyceltem, reinem thermoplastischem Kunststoff, der anschließend ebenfalls wieder recycelt werden kann, sollte es denn nötig werden.

Warum arbeitet Kartell mit Autodesk zusammen?

Zuerst: Autodesk ist ein US-amerikanisches Software-Unternehmen für digitales 2D- und 3D-Design in den Bereichen Architektur, Gebäudetechnik, Hoch- und Tiefbau, Automotive, Transportwesen, Mechanik und Maschinenbau, Medien, Unterhaltung sowie Versorgung und Telekommunikation. Da Kartell kontinuierlich neue Technologien, Materialen und Trends erforscht, wollten sie die ersten sein, die diese neue Technologie in der Möbelindustrie nutzt. Auch für Autodesk war die Zusammenarbeit mit Philippe Starck und Kartell eine der ersten Untersuchungen dessen, was der K.I.-Algorithmus für das Spritzgießverfahren als neue Fertigungsmethode im generativen Design berücksichtigen muss.

Wird dann überhaupt noch ein Designer gebraucht?

Auf jeden Fall! Denn der Designer arbeitet mit seinem Knowhow und seiner Kreativität mit der künstlichen Intelligenz zusammen. Philippe Starck musste der Software sein »Design-Problem« ganz genau beschreiben, indem er Parameter wie Werkstoffart, Gewicht, Belastbarkeit und Kosten eingibt: je akkurater, desto sinnvoller sind anschließend die Lösungsvorschläge der K.I. Mithilfe von Algorithmen und logischen Kalkulationen erstellt der Computer tausende von Entwürfen und führt für jeden eine Leistungsanalyse durch. Der Designer prüft diese, verfeinert seine Angaben und die Software führt die Berechnungen erneut durch. Anschließend wird der Entwurf gefräst oder 3D-gedruckt. Sofern erforderlich, werden die Schritte wiederholt und die Eingaben weiter verfeinert, bis das Ergebnis feststeht.

Die Vorschläge der künstlichen Intelligenz vom Anfang bis zum finalen Produkt (gekürzte Fassung). © Kartell
Die Vorschläge der künstlichen Intelligenz vom Anfang bis zum finalen Produkt (gekürzte Fassung). © Kartell
Im Falle von »A.I.« musste das Programm die entscheidende Frage lösen, wie das Gewicht eines Körpers mit möglichst wenig Material und maximaler Stabilität getragen werden kann. Zwei Jahre arbeitete die künstliche Intelligenz an der Fragestellung. In dieser Zeit wurden immer wieder Körper und Materialien analysiert, um die ideale Stuhl-Form zu errechnen. Durch das Design-Team um Starck wurden nur kleine Veränderungen vorgenommen. Zwei Jahre Entwicklungszeit sind natürlich eine lange Zeit, wenn man einen der Beweggründe für das Nutzen der K.I. betrachtet: Zeitoptimierung. Doch in Zukunft wird es nun deutlich schneller gehen, sollte es weitere Experimente mit der K.I. im Möbeldesign geben. Davon kann man mit Sicherheit ausgehen.
Das Design des »A.I.« ist natürlich mit Absicht organisch und futuristisch und würde wunderbar ins Star Trek- oder Star Wars-Universum passen. Zudem trägt das Design natürlich klar die Handschrift von Philippe Starck, vergleicht man es mit dem Masters Stuhl oder Generic A und C. © Kartell
Das Design des »A.I.« ist natürlich mit Absicht organisch und futuristisch und würde wunderbar ins Star Trek- oder Star Wars-Universum passen. Zudem trägt das Design natürlich klar die Handschrift von Philippe Starck, vergleicht man es mit dem Masters Stuhl oder Generic A und C. © Kartell

Generic A Stapelstuhl

Generic A Stapelstuhl

Preis: ab 157,00 €
Generic C Stapelstuhl

Generic C Stapelstuhl

Preis: ab 157,00 €
Masters Stuhl

Masters Stuhl

Preis: ab 203,00 €
A.I. Chair Armlehnstuhl

A.I. Chair Armlehnstuhl

Preis: ab 198,00 €
Ihnen wird mulmig bei dem Gedanken an künstliche Intelligenz? Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass A.I. bei Ihnen negativ konnotiert ist. Denn in zu vielen Büchern und Filmen möchte A.I. die Menschheit ausrotten oder zumindest bedrohen. Dabei ist es objektiv betrachtet ein äußerst spannendes Thema, das uns in Zukunft wohl noch viel häufiger begegnen und begleiten und das Leben einfacher machen wird. Denn was gibt es in Bezug auf Produktdesign Besseres, als ein Entwurf, der mithilfe eines preisgekrönten Designers und der künstlichen Intelligenz das Optimum seines Typs ist? Einhundert Prozent optimiert in Bezug auf Qualität, Bequemlichkeit, Materialeffizienz und Nachhaltigkeit...? Klingt fantastisch, oder?

Achtung! Information