Ein Meisterstück im Design: Der CH24 Wishbone Stuhl von Hans J. Wegner für Carl Hansen. © Carl Hansen & Søn
© Carl Hansen & Søn

Eine Ikone wird 70

Natalie Glebe
Natalie Glebe
Der CH24 Wishbone Stuhl ist der allererste Stuhlentwurf von Hans J. Wegner (1914-2007) für Carl Hansen aus dem Jahr 1949 und wird seit 1950 kontinuierlich produziert. Der Ursprung der Ikone geht jedoch auf einen anderen Entwurf von Wegner zurück: Auf den JH501 für Johannes Hansen, auch »Round Chair« oder einfach »The Chair« (1949) genannt. In seiner einfachen Formensprache versinnbildlichte dieser für viele das perfekte Stuhldesign. Nachdem sogar John F. Kennedy explizit den JH501 wegen seines Komforts und der Qualität für die erste TV-Wahlkampfdebatte im Jahr 1960 forderte, war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten.
Links: Hans J. Wegner auf seinem CH24. © Carl Hansen & Søn / Rechts: Der JH501 wird seit 1992 von PP Møbler unter dem Namen pp501 (Sitzfläche aus Rattan) bzw. pp503 (gepolsterte Sitzfläche) vertrieben, nachdem er in den späten 1980ern von Hans J. Wegner überarbeitet wurde. © Rasmus Koch Studio / PP Møbler
Links: Hans J. Wegner auf seinem CH24. © Carl Hansen & Søn / Rechts: Der JH501 wird seit 1992 von PP Møbler unter dem Namen pp501 (Sitzfläche aus Rattan) bzw. pp503 (gepolsterte Sitzfläche) vertrieben, nachdem er in den späten 1980ern von Hans J. Wegner überarbeitet wurde. © Rasmus Koch Studio / PP Møbler
Links: Hans J. Wegner auf seinem CH24. © Carl Hansen & Søn / Rechts: Der JH501 wird seit 1992 von PP Møbler unter dem Namen pp501 (Sitzfläche aus Rattan) bzw. pp503 (gepolsterte Sitzfläche) vertrieben, nachdem er in den späten 1980ern von Hans J. Wegner überarbeitet wurde. © Rasmus Koch Studio / PP Møbler
Genau diesen JH501 sah auch der Möbelhändler Eivind Kold Christensen 1949 auf der Kopenhagener »Carpenters Guild« Ausstellung. Daraufhin fragte er Wegner, ob er nicht einen ähnlichen Stuhl für Carl Hansen & Søn entwerfen könne, der sich aber teilweise maschinell produzieren lassen solle und somit erschwinglich für eine breite Masse sein würde – ähnlich wie es zum Beispiel Michael Thonet handhabte. Hans J. Wegner stimmte zu und entwickelte den CH24, den neuen »The Chair« wie wir heute sagen würden, der letztendlich jedoch kaum Ähnlichkeit mit dem JH501 hat. Er brauchte seine Zeit, bis er bei den Kunden Akzeptanz fand, ist aber bis heute Wegners kommerziell erfolgreichster Stuhlentwurf.
Standhaft und doch leicht und einladend: Unsere Ikone, der CH24 a.k.a. Wishbone Chair a.k.a. Y-Stuhl. © Carl Hansen & Søn

CH24 Wishbone Stuhl

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CH24 Wishbone Special Edition Stuhl

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Wegner war Teil einer Generation, die das herstellten, was als »The Golden Age« des modernen dänischen Designs bezeichnet wird. Er wurde oft gefragt, wie er diesen dänischen Style kreierte – und antwortete, dass es ein kontinuierlicher Prozess der Reinigung und Vereinfachung sei. Alles werde auf das möglichst Einfachste reduziert: Vier Beine, eine Sitzfläche und eine kombinierte Rücken- und Armlehne. Was so mühelos klingt und wirkt, ist trotzdem ein langwieriger, präziser und durchdachter Prozess: Um dem Bugholz Stabilität zu geben, entwickelte Hans J. Wegner die charakteristische Y-Form des Rückens, die die Namen Wishbone und Y-Stuhl begründete. Die somit voluminöse und organische Form der Rückenlehne gibt dem Sitzenden mehr Raum, wie es bei vorherigen Entwürfen, unter anderem beim JH501, nicht der Fall war. Die Hinterbeine verlängern sich in die Rückenlehne und geben Stabilität – in einem schönen eleganten Schwung, der Leichtigkeit und Eleganz verleiht… Maßgebend für den Erfolg war Wegners Hintergrund als Tischler – aber auch sein ruheloser, kreativer Geist, der immer neue Möglichkeiten in Betracht zog und Ideen und Designs durchdachte, sogar durchbrach und so Selbstkritik übte. Über 500 umgesetzte Entwürfe in seiner Laufbahn sprechen für sich.
In der Werkstatt von Carl Hansen & Søn, Jahr unbekannt. © Carl Hansen & Søn
In der Werkstatt von Carl Hansen & Søn, Jahr unbekannt. © Carl Hansen & Søn
Doch zum Glück für uns Design-Liebhaber, hat unsere 70-jährige Ikone nichts von ihrem Glanz verloren und wird auch in Zeiten der Massenproduktion weiterhin traditionell und zum großen Teil per Hand hergestellt. Allein für das Einflechten der 120 Meter langen Papierkordel wird über eine Stunde Zeit benötigt. Um den kompletten Stuhl zu fertigen, sind über 100 Arbeitsschritte von talentierten Handwerkern notwendig.
So entsteht der Wishbone Stuhl
Die Kombination des massiven Holzes mit der filigranen Papierkordel ist ein Manifest der Carl Hansen Philosophie: Feinste Handwerkskunst und Qualität und die Liebe zum Holz, verwoben mit einer Geschichte, die untrennbar von ihrem »Schöpfer« und der Entstehungszeit ist. An diesem Klassiker kommt eben kein Liebhaber des skandinavischen Designs vorbei.

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