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Adjustable Table E1027 Beistelltisch von Eileen Gray für ClassiCon ist ein charmanter Designklassiker der Bauhaus-Ära der 1920er Jahre

Achtung Fälschung – Teil 3: Adjustable Table E1027

Maren Tünker
Maren Tünker
Adjustable Table E1027 Beistelltisch entworfen von Eileen Gray in Gegenüberstellung: links das Original Design von ClassiCon, rechts die Fälschung mit abweichenden Maßen
Um es gleich vorwegzunehmen – dieser Vergleich Original vs. Fälschung ist für Designästheten: In unserem 3. Teil vergleichen wir den Designklassiker aus der Bauhaus-Ära der 1920er bis 1930er Jahre, den »Adjustable Table E1027« entworfen von Eileen Gray, im lizensierten Original Design des Münchner Herstellers ClassiCon mit einer Fälschung für ein Viertel des Originalpreises …
In der direkten Gegenüberstellung Original vs. Fälschung fallen jedem sofort die unterschiedlichen Maße der Beistelltisch‌e auf: Das Plagiat zeigt nicht nur einen dünneren Querschnitt im Stahrohr, sondern auch ein höheres Gestell, das heißt, der obere Griff des Gestells lässt sich nicht so tief wie beim Original von Eileen Gray versenken.
Poliertes Fußende vom Original ClassiCon Beistelltisch in der Detailansicht. Rechts: Schleifspuren zeugen von geringer Verarbeitungsqualität der Fälschung: Man beachte den auffälligen Gummipfropfen als Stellfläche!
Das bei diesem gewaltigen Preisunterschied die Verarbeitungsqualität leidet, ist für den einen oder anderen selbstverständlich, trotzdem wollen wir im Detail auf die Unterschiede eingehen, um das Auge für Qualität im Design auch im Allgemeinen zu schärfen. Starten wir am Fußgestell: Das präzise verarbeitete Fußende am originalen »Adjustable Table E1027« versieht Eileen Gray selbst in ihrem Originalentwurf mit nahezu unsichtbaren, aber festen Gummipfropfen, damit der Beistelltisch »schwebt«. Das Plagiat zeigt nicht nur ein schmaleres Stahlrohr mit unvollständiger Verchromung, sondern auch simple Gummipfropfen, die bei jeder Bewegung des Beistelltisch‌es sich verselbstständigen und somit im Staubsauger wieder zu finden sind.
Adjustable Table E1027 Beistelltisch mit eingeprägter Lizensierung im Stahlrohr: ClassiCon WA20094 Eileen M. Gray Authorised by Aram Design‌s Ltd
Zudem weist das von ClassiCon produzierte Original eine Prägung im verchromten Stahlrohr auf, die auch nach Jahren als Herstellernachweis beständig ist: »ClassiCon WA20094 Eileen M. Gray authorised by Aram Design‌s Ltd«.
Original Adjustable Table E1027 von ClassiCon in perfekter Politur der sich am Gestell-Fuß-Übergang verbindenden Stahlrohre
Der Qualitätsunterschied fällt jedem am Knotenpunkt der Stahlrohre auf, wenn der Dreiviertelkreis des Fußes auf das Gestell mit seinen zwei vertikalen Stützen trifft. Während der »Adjustable Table E1027« im Original mit glatt polierten Schweißnähten und perfekter Verchromung prunkt …
Simpel verarbeitetes Gestell der Fälschung mit nicht geschliffener Schweißnaht und unzureichender Verchromung
… verärgert das Plagiat mit nicht zu übersehender Schludrigkeit in der Verarbeitung: Die irgendwie ausgeführten Schweißnähte sind nur teilweise überarbeitet worden, so dass die anschließende Verchromung kaum auf den Stahlrohren haftet.
Links: Originaler Adjustable Table E1027 mit feingliedriger Kette zur Sicherung der Höhenverstellung mittels Bolzen.  Rechts: Plagiat mit grobmaschiger Kette zur Sicherung der Höhenverstellung mittels Bolzen
Eklatant wird der Unterschied an der Höhenverstellung des »Adjustable Table E1027«: Während Eileen Gray einen elegant geschwungenen »Knochen« als Verbindung der zwei vertikalen Stützen konstruiert und den Bolzen der Höhenverstellung mittels einer feinen Kette im Original-Design sichert, wird beim Plagiat eine simple Lösung in einfachem Metallblatt und auffällig grobmaschiger Kette gesucht.
Simpel verarbeitetes Gestell der Fälschung mit günstiger Plastikverblendung des eingefrästen Loches im »Tempered Glass«
Die vereinfachte Konstruktion der Fälschung führt leider zu einem Problem im täglichen Umgang: Der Beistelltisch wackelt. Stösst man an die Tischplatte, schwingt das Plagiat in der Horizontalen – Vasen mit geringer Stellfläche können je nach Stoßstärke umfallen. Um ein Ausschlagen des eingefrästen Gestell-Durchlasses im wärmebehandelten Sicherheitsglas (»Tempered Glass«) zu vermeiden, wurde ein recht häßlicher, weißer Plastikring in den Durchlass der Fälschung eingesetzt. Wenn das Eileen Gray sehen würde …
Feinverarbeiteter Übergang am höhenverstellbarem Gestell sowie Glas, das an dieser Stelle einen Lizensierungs-Aufkleber trägt: Eileen M. Gray Authorised by The World Licensee Aram Design Ltd. London ClassiCon
Denn der von Eileen Gray konstruierte »Knochen« im Original-Design verhindert ein Aufschwingen der Tischplatte. Um beim Kauf auf die Originalität im Design des »Adjustable Table E1027« Beistelltisch‌es hinzuweisen, setzt ClassiCon an dieser gut sichtbaren Stelle der Tischplatte einen nahezu unsichtbaren Aufkleber mit allen Lizensierungen ein.
Links: Fein säuberliche gearbeitete Glasauflage vom originalen Beistelltisch.  Rechts: Plagiat mit simpler Glasauflage – ein gewöhnlicher Gummipfropfen aus dem Baumarkt!
Beide Beistelltisch‌e verfügen über eine lose Glasauflage: Während das deutlich dickere Sicherheitsglas des originalen »Adjustable Table E1027« Beistelltisch‌es versenkt im metallen Rund des Stahlrohrrahmens aufliegt, schwebt beim Plagiat die Glasplatte nahezu obenauf.
Geschraubte Glasauflage mit integriertem transparentem Gummipfropfen am originalen Tisch
Der auffällige Höhenunterschied der Glasplatte resultiert in der gewählten Konstruktion: Eileen Gray konstuiert in ihrem Originalentwurf einen ans Stahlrohr geschraubten Metallhalter (aber bestimmt nicht mit moderner Kreuzschraube!). Die fest aufgesetzte Silikonpufferung entspricht wohl nicht dem Originalentwurf, ersetzt aber sowohl effektiv als auch ästhetisch die eigentlich angedachte Filzauflage. Während ClassiCon behutsam und gewiss im Sinne von Eileen Gray modernisiert, setzt das Plagiat die einstige Forderung des Bauhaus, günstigere Möbel zu kreieren, gut sichtbar um: Die Halterung für die Glasplatte wird unverblümt an den Stahlrohrrahmen »gepappt«, also irgendwie geschweißt. Der simple, lose eingesetzte Gummipfropfen hebt mit seinem Volumen die Glasplatte im Plagiat höher als wohl gewünscht an.
Das Plagiat offenbart eine günstig angeschweißte Glasauflage mit durchgestecktem gewöhnlichem Gummipfropfen
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